Datenanalyse 15. Oktober 2026 · 8 Min. Lesezeit

Firmeninsolvenzen in Österreich: die wichtigsten Zahlen

Maximilian Kuch
Maximilian Kuch
Gründer von Konkurse.at

Österreich hat fünf Jahre in Folge mehr Firmenpleiten gezählt. 2025 waren es laut KSV1870 rund 6.857 Unternehmensinsolvenzen, etwa 19 an jedem Tag. Im ersten Halbjahr 2026 ist die Zahl erstmals leicht gesunken, die Zahl der mangels Vermögen gar nicht erst eröffneten Verfahren steigt aber weiter. Hier sind die Zahlen im Überblick, ergänzt um eigene Auswertungen aus der Ediktsdatei der Justiz.

Das Wichtigste in Kürze
  • 2025 zählte der KSV1870 6.857 Unternehmensinsolvenzen (plus 4,1 %), Statistik Austria vorläufig 6.809. Es war das fünfte Jahr mit steigenden Zahlen in Folge.
  • Rund 38 % der Fälle 2025 (2.635) wurden mangels kostendeckenden Vermögens gar nicht eröffnet.
  • Die Passiva halbierten sich 2025 auf rund 8,4 Mrd. Euro, weil Rekordpleiten wie KTM und Signa 2024 fehlten.
  • Im ersten Halbjahr 2026 gab es 3.401 Fälle (minus 2,6 %), die nicht eröffneten Verfahren stiegen um 7,3 %.
  • Handel, Bau und Gastronomie stellen zusammen fast die Hälfte aller Firmenpleiten.
  • Unter den Kapitalgesellschaften in der Ediktsdatei ist die GmbH mit rund 85 % die mit Abstand häufigste Rechtsform.

Die Jahreszahlen

6.857 Firmenpleiten im Jahr 2025

Der KSV1870 zählte 2025 in seiner Hochrechnung 6.857 Unternehmensinsolvenzen, um 4,1 % mehr als im Jahr davor (6.587). Das entspricht rund 19 Firmenpleiten pro Tag.1 Statistik Austria kommt in ihrer vorläufigen Zählung auf 6.809 Fälle und spricht vom fünften Jahr in Folge mit einem Anstieg.2 Die kleinen Abweichungen kommen von unterschiedlichen Zählregeln und Stichtagen, die Richtung ist bei beiden Quellen dieselbe.

4.222 eröffnete und 2.635 nicht eröffnete Verfahren

Nicht jede Insolvenz wird auch eröffnet. 2025 waren es 4.222 eröffnete Verfahren (plus 1,5 %), dazu kamen 2.635 Fälle, in denen das Gericht die Eröffnung mangels kostendeckenden Vermögens abgelehnt hat (plus 8,5 %).1 Damit endeten fast vier von zehn Firmenpleiten, bevor es überhaupt ein Verfahren gab. Für Gläubiger ist das die schlechteste Variante: Es gibt keinen Masseverwalter, keine Verwertung und in aller Regel keine Quote.

Weniger Schulden, mehr Gläubiger

Die Passiva fielen 2025 auf rund 8,4 Mrd. Euro, nach 18,9 Mrd. Euro im Jahr 2024. Betroffen waren rund 21.400 Dienstnehmer (2024: 29.600) und 54.400 Gläubiger (2024: 50.300).1 Der Rückgang bei den Passiva ist kein Zeichen der Entspannung, sondern ein Basiseffekt: 2024 war von einzelnen Großinsolvenzen geprägt. Gleichzeitig hatten 2025 mehr Gläubiger offene Forderungen bei insolventen Unternehmen als im Rekordjahr davor.

Das Jahr 2026

Erstes Halbjahr: leicht weniger Fälle

Im ersten Halbjahr 2026 zählte der KSV1870 3.401 Unternehmensinsolvenzen, um 2,6 % weniger als ein Jahr zuvor. Die eröffneten Verfahren gingen um 8,6 % auf 1.987 zurück, die nicht eröffneten stiegen dagegen um 7,3 % auf 1.414.3 Die Passiva lagen bei rund 4,24 Mrd. Euro, betroffen waren 9.800 Mitarbeiter und 23.500 Gläubiger. Für das Gesamtjahr rechnet der KSV1870 mit etwa 6.800 Fällen, also ungefähr dem Niveau von 2025.3

Was die Ediktsdatei bis September zeigt

Unsere eigene Auswertung der Ediktsdatei bestätigt das Bild. Wir zählen dabei nur Kapitalgesellschaften und andere juristische Personen (GmbH, AG, KG, OG, Vereine), keine Einzelunternehmer. In den ersten drei Quartalen 2026 wurden 2.538 solcher Unternehmen insolvent, nach 2.628 im gleichen Zeitraum 2025. Das ist ein Minus von rund 3 %. Pro Quartal sind es seit Herbst 2024 sehr gleichmäßig zwischen 800 und 900 Fälle.4 Die laufenden Zahlen, Monat für Monat, finden Sie auf der Startseite.

Eine Gesetzesänderung als Unsicherheitsfaktor

Seit 1. Jänner 2026 können die Insolvenzverwalter bezahlte Sozialversicherungsbeiträge in vielen Fällen nicht mehr anfechten.5 Der KSV1870 kritisiert das als faktische Rückkehr zu einer Bevorzugung öffentlicher Gläubiger und erwartet Auswirkungen darauf, wie oft Insolvenzanträge gestellt und Verfahren eröffnet werden.3 Ob der Anstieg der nicht eröffneten Verfahren damit zusammenhängt, lässt sich noch nicht sagen.

Bundesländer

Wien führt deutlich

Auf Wien entfielen 2025 laut KSV1870 2.605 Firmenpleiten, gefolgt von Niederösterreich (1.106), Oberösterreich (849) und der Steiermark (723). Danach kommen Salzburg (421), Tirol (417), Kärnten (364), das Burgenland (216) und Vorarlberg (156).1 Den stärksten Anstieg gab es in Oberösterreich (von 703 auf 849) und Salzburg (von 343 auf 421), deutlich weniger Fälle als 2024 meldete das Burgenland (von 325 auf 216).

Unter Kapitalgesellschaften ist Wien noch dominanter

Zählt man nur juristische Personen aus der Ediktsdatei, liegt Wiens Anteil 2025 bei 46 % (1.625 von 3.533 Unternehmen), deutlich über dem Anteil von 38 % an allen Firmenpleiten.4 Der Grund: In Wien sitzen überdurchschnittlich viele GmbHs, während in den Bundesländern Einzelunternehmer einen größeren Teil der Pleiten ausmachen. Im ersten Halbjahr 2026 gingen die Fälle in Tirol stark zurück (minus 30,9 %), in Vorarlberg stiegen sie deutlich (plus 38,4 %).3 Alle aktuellen Fälle lassen sich auf Konkurse.at nach Bundesland filtern.

Branchen und Rechtsformen

Handel, Bau und Gastronomie

Die meisten Firmenpleiten gab es 2025 im Handel (1.208 Fälle), am Bau (1.089) und in Beherbergung und Gastronomie (807). Dahinter folgt das Grundstücks- und Wohnungswesen mit 458 Fällen.1 Die drei größten Branchen stehen damit für knapp die Hälfte aller Fälle. Im ersten Halbjahr 2026 stieg die Zahl nur in der Gastronomie (plus 8,4 %), Handel und Bau gingen leicht zurück.3

Die GmbH ist die typische Pleite

In der Ediktsdatei waren 2025 rund 85 % der insolventen juristischen Personen GmbHs (2.998 von 3.533). Auf Kommanditgesellschaften entfielen 256 Fälle, auf GmbH & Co KGs 139 und auf offene Gesellschaften 83. Aktiengesellschaften waren mit 14 Fällen die Ausnahme.4

Konkurs ist der Normalfall, Sanierung die Ausnahme

Von den eröffneten Verfahren waren 2025 laut KSV1870 3.641 Konkurse, 514 Sanierungsverfahren ohne und 67 Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung.1 Nur rund jedes siebte eröffnete Verfahren startet also mit dem Ziel, das Unternehmen zu sanieren. Wie sich die Verfahren unterscheiden, erklären wir in unserem Überblick über die Insolvenzverfahren in Österreich.

Großinsolvenzen

2024: das Jahr der Rekordpleiten

2024 war von außergewöhnlich großen Fällen geprägt. Die größten nach Passiva waren der Autohersteller Fisker in Graz (rund 3,8 Mrd. Euro), René Benko persönlich (2,4 Mrd.), die Familie Benko Privatstiftung (2,3 Mrd.) und die KTM AG (1,8 Mrd.).6 Insgesamt gab es 2024 79 Insolvenzen mit mehr als 10 Mio. Euro Passiva, nach 44 im Jahr davor.6

2025: Signa wirkt nach

Auch 2025 stammte die größte Insolvenz aus dem Signa-Umfeld: die SIGNA Prime Capital Invest mit rund 870 Mio. Euro Passiva. Dahinter folgten die Herkules Holding in Innsbruck (710 Mio.), die Herkules Finance Holding (257 Mio.) und die SPS Primus Holding (238 Mio.).1

Woher die Zahlen kommen

KSV1870 und Statistik Austria

Die bekanntesten Jahreszahlen stammen von den Kreditschutzverbänden, allen voran dem KSV1870, und werden als Hochrechnung kurz vor Jahresende veröffentlicht. Statistik Austria zählt unabhängig davon und veröffentlicht vierteljährlich. Beide Quellen zählen auch Einzelunternehmer mit.

Die Ediktsdatei als Rohdaten

Jedes Insolvenzverfahren wird in der Ediktsdatei der Justiz öffentlich bekannt gemacht, mit Gericht, Aktenzeichen, Masseverwalter und Fristen.7 Ein Jahr nach Aufhebung eines Verfahrens ist das Edikt dort nicht mehr einsehbar, bei einer Nichteröffnung nach drei Jahren.8 Konkurse.at sichert jedes Edikt am Tag der Bekanntmachung und macht so auch ältere Fälle auffindbar. Wer Kunden, Lieferanten oder Mitbewerber im Blick behalten will, findet alle Fälle in der aktuellen Liste und die zuständigen Verwalter im Masseverwalter-Verzeichnis.

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Quellen

  1. 1 KSV1870 (Unternehmensinsolvenzen 2025) (ksv.at)
  2. 2 Statistik Austria (statistik.at)
  3. 3 KSV1870 (1. Halbjahr 2026) (ksv.at)
  4. 4 Konkurse.at, Auswertung der Ediktsdatei (konkurse.at)
  5. 5 Forvis Mazars (Betrugsbekämpfungsgesetz 2025) (forvismazars.com)
  6. 6 KSV1870 (Unternehmensinsolvenzen 2024) (ksv.at)
  7. 7 Ediktsdatei der Justiz (edikte.justiz.gv.at)
  8. 8 Insolvenzordnung § 256 (JUSLINE) (jusline.at)
Maximilian Kuch
Maximilian Kuch
Gründer von Konkurse.at

Maximilian Kuch ist Ökonom und Digitalunternehmer. In mehreren Projekten zu Insolvenzdaten verfolgt er Firmenpleiten täglich aus den amtlichen Bekanntmachungen, in Österreich wie im übrigen Europa. Seine Auswertungen verbinden die Jahreszahlen der Kreditschützer mit tagesaktuellen Daten direkt aus der Ediktsdatei der Justiz und zeigen Entwicklungen oft lange bevor sie in den Statistiken ankommen.

Insolvenzen früher erkennen als die Statistik

Konkurse.at meldet jede Firmeninsolvenz in Österreich am Tag der Bekanntmachung in der Ediktsdatei, oft Wochen vor der offiziellen Statistik. Nach Bundesland, Branche und Verfahrensart filterbar.